Freitag, 04. November 2011 von Peter Johannes Meier

Bekennerschreiben

Nicht recherchiert, nur an der Oberfläche gekratzt. Einem Lobbyisten auf den Leim gekrochen. Seien wir ehrlich: Das hätte wir besser gekonnt. Dummerweise haben wir es nicht gemacht.

Journalisten – selbst investigative – sind nicht selten überheblich, nicht frei von Neid und oft ziemliche Mimosen. Eher schlecht darum die Voraussetzung, sich eigene Fehler einzugestehen oder gar daraus zu lernen.

Überraschend, mutig und bestimmt nötig, ist darum das Outing einiger TAZ-Journalisten diese Woche – im eigenen Blatt. Sie nennen Artikel, die sie besser nie geschrieben hätten. Und sie erklären, was sie falsch gemacht haben.

Der Journalist zum Beispiel, den Umweltschützer mit einer Exklusivstory verführten, wofür der Schreiber sein kritisches Bewusstsein ins Zwischenlager schickte. Andere schildern aufwändige Recherchen in fremden Ländern, die nie erwähnte Zahlmeister möglich machten.

Journalisten stehen mit Namen für ihre peinlichsten Fehler hin. Nicht, dass bei der TAZ besonders viele Masochisten arbeiteten, das Blatt will eine Debatte darüber auslösen, wie gezielt Lobbyisten mittlerweile Einfluss auf Journalisten nehmen.

Zur Nachahmung empfohlen. Ein elektronischer Beichtstuhl auf investigativ.ch, zum Beispiel. Interessierte dürfen sich melden.