Saturday, 12. April 2014 von mh

Erforscht die Recherche!

investigativ.ch-Co-Präsident und MAZ-Studienleiter Dominique Strebel redet den Medienwissenschafterinnen und Medienwissenschaftern ins Gewissen.

Erforscht die Recherche und ihre Rahmenbedingungen: Diesen Appell richtete am 12. April Dominique Strebel an die versammelten Medienwissenschafterinnen an der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaften (SGKM). Strebel bezeichnete seinen Appell in seinem Vortrag als «Hilferuf».

Zu den strukturellen Bedingungen der Medien existierten zahlreiche Studien, sagte Strebel. Die Recherche aber, Ausgangspunkt des journalistischen Handwerks, sei kaum erforscht. Auch Medienprofessor Heinz Bonfadelli von der Uni Zürich sagt, die empirische Forschung habe sich «wenig mit journalistischer Recherche befasst.» Als Ausnahmen nennt Strebel die Abschlussarbeit von Rafaela Roth an der ZHAW über die verdeckte Recherche und die Feldstudie «Journalisten der Schweiz» von Guido Keel. Letztere ergab, dass Journalistinnen und Journalisten nur ein Drittel ihrer Arbeitszeit für die Recherche aufwendeten – wobei die Zahl, meint Strebel, wahrscheinlich zu hoch sei, wenn man Recherche so definiere, dass nicht schon die Suche nach der Person für das passende Quote darunter falle. 

«Gerade in Zeiten des Um-, Weg- und Aufbruchs in der Medienwelt» schwänden Mittel für die journalistische Recherche. Aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen seien schwierig – so ist die schweizerische Rechtspraxis nicht gerade medienfreundlich. Strebel nannte fünf Bereiche, in denen eine unsichere Rechtslage investigative Recherchen behindere: die verdeckte Recherche, die versteckte Kamera, der Quellenschutz, der Umgang mit Whistleblowern sowie amtliche Register.

Recherche biete Stoff für «spannende medienwissenschaftliche Forschung», die zentral sei «für die Frage, wie weit die Medien ihre wichtige Rolle für die Demokratie noch wahrnehmen können.»

> Der Vortrag von Dominique Strebel zum Download (PDF).