Montag, 31. Oktober 2011 von Alexandra Stark

Sind Quellen wirklich noch sicher?

Quellenschutz ist das oberste Gebot für investigative Journalistinnen und Journalisten. Die wenigsten allerdings arbeiten mit Tools, die die Sicherheit erhöhen könnten.

Journalisten schützen ihre Quellen. Die meisten Journalisten würden lieber ins Gefängnis gehen, als Informanten auffliegen zu lassen. Doch reichen ethische Prinzipien zum Schutz brisanter Information heute noch aus? Nein, schreibt der IT-Sicherheitsexperte Christopher Soghoian in der New York Times. Wie sicher Quellen und Informationen seien, hänge immer mehr auch von den Computer-Kenntnissen von Journalisten ab. Verschiedene Vorfälle wie etwa der Bundestrojaner oder die Enttarnung eines Whistleblowers durch abgehörte Telefonate eines „Le Monde“-Journalisten hätten gezeigt, wie wichtig sichere Kommunikation im Umgang mit heiklen Informationen sei, warnt Soghoian. Dennoch würden nur wenige Journalisten mit Tools und Technologien arbeiten, die die Sicherheit erhöhten. Dabei sei die Nutzung solcher Instrumente gerade für investigative Journalisten essenziell: Denn wer seine Quellen nicht schützen könne riskiere, keine brisanten Informationen mehr zugespielt zu bekommen.

Im Netz sind verschiedene Sammlungen von Tools sowie Anleitungen zu finden. Eine umfassende Aufstellung von einfach zu befolgenden Verhaltensregeln hat die italienische IT-Sicherheitsspezialistin Yvette Agostini zusammengestellt (ab S. 11 im PDF). Als Einstieg in die Tools eignet sich die Anleitung für Bürgerjournalisten von mobileactive.org, einer global aktiven Organisation, die mobile Kommunikation für soziale Zwecke fördern will. Die zur Zeit umfassendste und aktuellste Liste von Tools für Journalisten inkl. einer langen Linkliste haben Aktivisten von mathaba.net als Reaktion auf den Artikel von Soghoian zusammengestellt. Die Liste* beantwortet Fragen wie: Wie kann ich meinen Computer vor Zugriffen schützen? Wie kann ich surfen, ohne Spuren zu hinterlassen? Was kann ich tun, wenn mein Computer verloren geht/gestohlen wird? Sicherheit lässt sich aber auch durch das Verhalten erhöhen.

Wer hat Erfahrung mit diesen Tools? Bitte teilt sie mit uns (über die Kommentar-Funktion).

*Die Liste ist umfassend, die Quelle allerdings dubios: Mathaba.net ist eine dem abgesetzten Gaddafi-Regime nahestehende Nachrichtenorganisation, die vor allem durch krude Verschwörungstheorien auffällt. Dennoch ist die Liste, für die international anerkannte Tools und Vorgehensweisen zusammen getragen wurden, brauchbar. Dass gerade solche Organisationen solche Listen publizieren zeigt übrigens, wie schmal der Grat zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und Paranoia ist.

Zusammenfassung/Übersetzung: Alexandra Stark (Studienleiterin MAZ und freie Journalistin).