Wie es sein könnte: «The Proxy Platform»
Monatelang haben die Mitglieder des «Organized Crime and Corruption Reporting Project» über das organisierte Verbrechen in Osteuropa recherchiert. Das Ergebnis ist eindrücklich.
Es begann mit einem Streit unter Geschäftspartnern. Im Jahr 2008 zeigte ein rumänischer Pneuhändler drei Partner an, weil sie ihn angeblich über eine Offshore-Gesellschaft names Tormex um rund 437 000 Dollar betrogen haben sollen. Bei der Untersuchung entdeckten die Behörden allerdings wesentlich grössere Beträge. Allein über ein Tormex-Konto in Lettland waren über 680 Millionen Dollar geflossen. Dabei besass die Firma weder Büroräumlichkeiten noch Angestellte.
Das war der Moment, als sich das «Organized Crime and Corruption Reporting Project» (OCCRP) an die Arbeit machte. Das OCCRP ist ein Netzwerk von investigativen Journalistinnen und Journalisten, Recherche-Organisationen und Medien in Osteuropa.
Während Monaten durchleuchteten die Rechercheure Bankdaten, Geldtransfers und weitere verdächtige Transaktionen rund um den Globus. Nun präsentieren sie das Ergebnis ihrer Arbeit: «The Proxy Platform», eine interaktive Website, auf der neben den Artikeln und Dokumenten auch die Netzwerke der organisierten Kriminalität dargestellt sind, denn das war das eigentliche Resultat der Recherchen : Mit ihrer Fleissarbeit deckten die osteuropäischen Kolleginnen und Kollegen ein schier unglaubliches Netzwerk von Menschenhändlern, Drogenschmugglern und Geldwäschern auf.
«The Proxy Platform» ist aber unabhängig von ihrem Inhalt vor allem eines: Ein Plädoyer für einen Blick über den eigenen (Redaktions-) Tellerrand hinaus, weg vom herkömmlichen «Ich-lasse niemanden-an-meine-Recherchen-heran»-Denken. Es ist eine Recherche, wie sie sein könnte – und dank den ebenfalls online zugänglichen Dokumenten ein möglicher Ausgangspunkt für weitere Recherchen.




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