Mittwoch, 06. Mai 2015

Wigdorovits revanchiert sich mit dem Goldenen Medien-Ei

investigativ.ch hat PR-Berater Sacha Wigdorovits mit dem Goldenen Bremsklotz 2015 ausgezeichnet. Er nahm den Preis persönlich entgegen – und vergab seinerseits einen Preis.

Sacha Wigdorovits hat sich seinen Kritiker/innen gestellt. Am 6. Mai nahm er in Zürich persönlich den Goldenen Bremsklotz entgegen, den ihm investigativ.ch für seine Verdienste um die Informationsverhinderung in der Nacktselfie-Affäre um Geri Müller verliehen hatte. 

Wigdorovits habe den Medien mehrfach nicht die ganze Wahrheit erzählt, resümierte investigativ.ch-Vorstandsmitglied und Laudator Georg Humbel Wigdorovits' Rolle in der unrühmlichen Geschichte. In seiner Replik gestand Wigdorovits Fehler ein, zweifelte aber, ob er der richtige Preisträger sei. investigativ.ch hätte besser Geri Müller ausgezeichnet, der den Journalist/innen nach einer Medienkonferenz verboten habe, Fragen zu stellen. 

Zuletzt verlieh Wigdorovits selber in seiner Funktion als Präsident des «Vereins Private Förderung Unabhängiger Investigativjournalisten PFUI» einen Preis: das (selbstgebastelte) Goldene Medien-Ei 2015 «in Anerkennung ihrer Bemühungen um die Förderung eines von Oberflächlichkeit, Schlampigkeit, Selbstzufriedenheit und Verantwortungslosigkeit geprägten Journalismus». 

Wigdorovits warf Georg Humbel vor, nicht investigativ, sondern rein kolportierend gearbeitet haben, wenn er in seiner Laudatio behauptet habe, er – Wigdorovits – habe mit Geri Müllers Chatpartnerin mitten in der Nacht SMS ausgetauscht: Hätte Humbel seine Arbeit gemacht, hätte er sehen können, dass das nicht stimme. Humbel konterte: Er habe sich eben gerade nicht auf andere Medienberichte verlassen, sondern die Chatprotokolle gelesen, die den nächtlichen SMS-Verkehr abbildeten. Worauf Wigdorovits sagte, dann Falle müsse das Protokoll falsch sein, denn zum angegebenen Zeitpunkt habe er geschlafen* … Lobend erwähnte Wigdorovits übrigens NZZ-Journalist Marcel Gyr. Allein: Auch Gyr kritisierte Wigdorovits, sprach von dessen «reichlich peinlich anmutendem Rückzugsgefecht» und stützte sich auf die Chatprotokolle …

*Eine Klärung ergibt sich durch einen Tipp von aussen nach der Veranstaltung: Das Chatprotokoll gibt nicht die Lokalzeit, sondern die UTC-Zeit an. Tatsächlich wurden die Meldungen mithin zwei Stunden später verschickt, als bisher alle Journalisten annahmen, die sich auf das Protokoll stützten. Wigdorovits' Aussage, er habe zur angegebenen Zeit geschlafen, dürfte also richtig sein – impliziert aber nicht, dass er die im Protokoll verzeichneten SMS nicht verfasst hat.

> Georg Humbels Laudatio zum Download hier; Wigdorovits' Replik lesen Sie hier.

(Foto: Klaus Rózsa)