Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen

Längere Zeit ist es schon her, seit wir den letzten Newsletter verschickt haben. Das heißt nicht, dass investigativ.ch inzwischen untätig gewesen wäre, im Gegenteil: Anderes war wichtiger und hat den Newsletter warten lassen. So haben wir nicht nur mehrere Veranstaltungen organisiert, wir haben uns auch in zwei konkreten Fällen für die Recherchierfreiheit in der Schweiz eingesetzt, und schließlich hat in Rio de Janeiro die Global Investigative Journalism Conference stattgefunden. 

 

Inhalt

Engagement für Recherchierfreiheit: Ludovic Rocchi und die Neuenburger Staatsanwaltschaft

Engagement für Recherchierfreiheit: Eveline Dudda und das Bundesamt für Landwirtschaft

Rückblick auf Veranstaltungen: Mark Lee Hunter und die Story-based Inquiry

Rückblick auf Veranstaltungen: Statistik für Journalist/innen

Rückblick auf Veranstaltungen: JournalismusTag.13

Rückblick auf Veranstaltungen: Google effektiv nutzen

Rückblick auf Veranstaltungen: Recherchieren zu Pharma- und Gesundheitsthemen

Global Investigative Journalism Conference 2013 in Rio de Janeiro

Öffentlichkeitsprinzip – Erfolge für Journalisten: Das Bundesamt für Migration und die ORS AG

Öffentlichkeitsprinzip – Erfolge für Journalisten: Das Bundesamt für Landwirtschaft und absurde Gebührenforderungen

Öffentlichkeitsprinzip – Erfolge für Journalisten: Geheimvertrag der Uni Zürich mit der UBS Foundation

Datensicherheit und Quellenschutz: Die Uni Zürich im Fall Mörgeli

Datensicherheit und Quellenschutz: Neuer Eintrag auf unserer Tipps-und-Tricks-Site

Projekte: Drehscheibe Lokaljournalismus

Ausblick: Schweizer Recherchetag 2014 am MAZ

nr-Werkstatt zum Lokaljournalismus erschienen

 

 

Engagement für Recherchierfreiheit: Ludovic Rocchi und die Neuenburger Staatsanwaltschaft

Bereits in unserem letzten Newsletter haben wir über die Affäre Rocchi berichtet, die einige Wellen geworfen hat: Ludovic Rocchi, Rechercheur von Le Matin, berichtete über Plagiatsvorwürfe gegen einen Professor der Neuenburger Uni. Der zeigte Rocchi an – worauf der Staatsanwalt Pierre Aubert eine Hausdurchsuchung gegen Rocchi resp. seine Familie anordnete und Rocchis Computer beschlagnahmen ließ. Der Medienrechtler und ehemalige Präsident des Presserats Peter Studer hat den Fall bei uns kommentiert

investigativ.ch hat mit einem Brief mit 95 Unterschriften von Journalistinnen und Journalisten bei der Neuenburger Staatsanwaltschaft protestiert

Das Neuenburger Obergericht hat die Staatsanwalt im September zurückgepfiffen und die Hausdurchsuchung für illegal erklärt. 

Staatsanwalt Aubert hat unseren Protestbrief mit einiger Verspätung am 4. Oktober 2013 beantwortet: «Madame, Monsieur, Avec un retard que je vous prie de bien vouloir excuser, je réponds à votre courrier du 28 août dernier. – Comme il se limite à une simple affirmation de la suprématie de la liberté de la presse sur toute autre considération, je n'ai pas grand-chose à y ajouter sinon que je ne partage entièrement ce point de vue. Pour le surplus et pour autant que l'opinion du Ministère public vous intéresse (ce qui ne me semble pas forcément être le cas compte tenu de la forme de votre courrier), je vous envoie en annexe la réponse que j'ai adresse à une autre association professionnelle [es handelt sich um die World Association of Newspapers and News Publishers] qui m'a également fait part de sa préoccupation à ce sujet. – En espérant qu'à une autre occasion le débat s'ouvrira de manière plus nuancée et intellectuellement plus convaincante, je vous prie d'agréer, Madame, Monsieur, mes meilleures salutations. – Le procureur général – Pierre Aubert»

Ludovic Rocchi gehört zu den Referenten am Schweizerischen Recherchetag 2014 (s. unten).

 

 

Engagement für Recherchierfreiheit: Eveline Dudda und das Bundesamt für Landwirtschaft

Unser Mitglied, die freie Agrarjournalistin Eveline Dudda, recherchiert hartnäckig. Beim Bundesamt für Landwirtschaft, das schon mehrfach durch seine Versuche, Transparenz zu verhindern, aufgefallen ist, mag man das nicht. Anfang November teilte der BLW-Mediensprecher Jürg Jordi Eveline Dudda mit, ab sofort werde sie weder von ihm noch von anderen BLW-Mitarbeier/innen mehr Auskünfte erhalten; sie solle ihre Fragen gleich an die Rechtsabteilung stellen. Was sie mache, habe «wenig mit Journalismus und viel mit Schikane» zu tun.

investigativ.ch hat mit einem Brief am 9. November bei Jordi gegen dieses inakzeptable Vorgehen protestiert. Die Antwort Jordis steht noch aus. 

 

 

Rückblick auf Veranstaltungen: Mark Lee Hunter und die Story-based Inquiry

Mark Lee Hunter, amerikanischer Investigativjournalist und Investigativtrainer in Paris, hat uns einen sehr gut besuchten Workshop angeboten. Das Handbuch, das er verfasst hat uns das von der Unesco herausgegeben wurde, ist als PDF online gratis zu haben (hier auf englisch und hier auf französisch). 

 

 

 

Rückblick auf Veranstaltungen: Statistik für Journalist/innen

Sehr gut besucht war auch der Workshop, den das Bundesamt für Statistik uns anbot. Wir haben einige Kursunterlagen zum Download bereit gestellt: Merkblatt BfS, die Präsentation, Übungen zum Statistischen Atlas der Schweiz, Übungen zur Online-Datenbank STAT-TAB.

 

 

Rückblick auf Veranstaltungen: JournalismusTag.13

Der JournalismusTag (ehemals bekannt unter dem Namen «Herzberg-Tagung») wird jeweils vom Verein Qualität im Journalismus organisiert. Am diesjährigen JournalismusTag am 4. September war investigativ.ch Mitorganisatorin und organisierte ein Podium «Offshore-Leaks - so what?» mit Oliver Zihlmann (Sonntagszeitung) und Rainer Stadler (NZZ) sowie das Erzählcafé «Tal des Schweigens» mit Kurt Marti über journalistisches Arbeiten in einem verschwiegenen Tal (dem Wallis). Nähere Informationen gibt es hier.

 

 

Rückblick auf Veranstaltungen: Google effektiv nutzen

Suchwerkzeuge, in erster Linie Google, sind für unsere Arbeit heute unverzichtbar; entsprechend gut werden unsere Workshops zum Thema, die wir schon in Zürich, Bern und Chur angeboten haben, besucht. Für alle eingeschriebenen Mitglieder von investigativ.ch gibt es die Google-Recherchiertipps auf unserer Website.

 

 

Rückblick auf Veranstaltungen: Recherchieren zu Gesundheits- und Pharmathemen

Die freie Journalistin Catherine Riva bot uns am 13. November 2013 Einblick in ihr Recherche-Knowhow. Ihre Präsentation ist für investigativ.ch-Mitglieder online als komprimierte Zip-Datei verfügbar. 

 

 

Global Investigative Journalism Conference 2013 in Rio de Janeiro

Gerne wären wir ja wohl alle dabei gewesen an der Global Investigative Journalism Conference 2013 in Rio de Janeiro. Ein bisschen stellvertretend für uns alle hat die Konferenz unserer internationale Mutterorganisation Philippe Wenger besucht; hier sein Bericht.

Und hier geht's zum Jahresbericht des Global Investigative Journalism Network GIJN.

 

 

Öffentlichkeitsprinzip – Erfolge für Journalisten: Das Bundesamt für Migration und die ORS AG

Unsere Mitglieder Jan Jirat und Carlos Hanimann wollten Einblick in die Verträge, die das Bundesamt für Migration mit der Firma ORS AG geschlossen hat. ORS betreibt Asylbewerberheime. Das BFM hätte die Verträge rausgerückt, aber ORS wehrte sich beim Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Dieser gab den beiden Journalisten recht. Hier geht's zum Artikel, der daraus entstanden ist.

 

 

Öffentlichkeitsprinzip – Erfolge für Journalisten: Das Bundesamt für Landwirtschaft und absurde Gebührenforderungen

Unser Vorstandsmitglied Otto Hostettler vom Beobachter interessierte sich für landwirtschaftliche Subventionen: Wer bekommt wie viel Verkäsungszulage? Das Bundesamt für Landwirtschaft wollte die Information nicht herausgeben, aber statt Hostettlers Akteneinsichtsgesuch abzulehnen – wozu es klarer Gründe bedurft hätte –, verlangte es einen phantastischen Preis: 275.000 Franken! Hostettler beantragte eine Schlichtung beim Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. Dessen Entscheid fiel in aller Deutlichkeit aus. Er empfiehlt dem BLW, für die Bearbeitung der Anfrage Fr. 0.00 (in Worten: null) zu verrechnen.

 

 

Öffentlichkeitsprinzip – Erfolge für Journalisten: Geheimvertrag der Uni Zürich mit der UBS Foundation

Marcel Hänggi, freier Mitarbeiter der WOZ und Geschäftsführer von investigativ.ch, und Matthias Daum, Schweiz-Redakteur der Zeit, wollten Einblick in den Vertrag über 100 Millionen Franken, den die Uni Zürich mit der UBS geschlossen hat. Die Uni verweigerte jegliche Einsicht. Die erste Rekursinstanz gab nach anderthalbjährigem Verfahren den beiden Journalisten weit gehend Recht: Die Uni muss ca. 90 Prozent des Vertrags offen legen. Damit hat erstmals eine juristische Instanz in der Schweiz einen Sponsoringvertrag einer Hochschule nach dem Öffentlichkeitsprinzip bewertet. Ähnliche Einsichtsbegehren laufen auch gegen die beiden ETH und gegen die Uni Basel. 

Aber der Entscheid war von schwacher Qualität, und die Journalisten wollen alles sehen. Sie haben beim kantonalen Verwaltungsgericht Berufung eingelegt

 

 

Datensicherheit und Quellenschutz: Die Uni Zürich im Fall Mörgeli

Dass die Uni Zürich der Zürcher Staatsanwaltschaft Informationen über den E-Mail-Verkehr ihrer Mitarbeiter/innen mit Journalist/innen zur Verfügung stellt, um herauszufinden, wer dem Tages-Anzeiger seinerzeit zu Informationen über die Zustände am Medizinhistorischen Institut zugespielt hat, hat breiten Protest ausgelöst und verstößt unserer Meinung klar gegen jegliche Verhältnismäßigkeit.

Ob die Uni sich streng rechtlich korrekt verhalten hat, scheint keine so einfache Frage zu sein. Aber der Fall macht wieder einmal klar, wie wichtig Quellenschutz ist – und zwar nicht nur auf unserer Seite: Auch unsere Informantinnen und Informanten setzen sich unter Umständen Risiken aus und sollten sich schützen (und wir sie allenfalls darauf aufmerksam machen). 

Man beachte zum Thema Quellenschutz auch unsere Tipps-und-Tricks-Site.

 

 

 

Datensicherheit und Quellenschutz: Neuer Eintrag auf unserer Tipps-und-Tricks-Site

Große Warenhäuser stellen mitunter Diebe an, um ihren Diebstahlschutz zu testen. Der Journalist Adam Penenberg hat einen Hacker beauftragt, seinen Computer zu hacken. Das Resultat sei «chilling», schreibt Penenberg. Wir haben seinen Text auf unserer Tipps-und-Tricks-Site verlinkt.

 

 

Projekte: Drehscheibe Lokaljournalismus

Das Projekt eines Kompetenzzentrums Recherche, das investigativ.ch, oeffentlichkeitsgesetz.ch und das MAZ als drehscheibe-schweiz.ch (Plattform für Lokaljournalismus) unter einem Dach hätte vereinigen sollen, kommt leider nicht zustande. Zwar hat die Basler Stiftung Medienvielfalt eine Anschubhilfe von 150‘000 Franken zugesagt, doch konnte trotz intensiver Bemühungen des Vorstandes die geforderte langfristige Finanzierung nicht gesichert werden. Investigativ.ch, oeffentlichkeitsgesetz.ch sowie das MAZ prüfen nun je einzeln neue konkrete Projekte, welche die Recherche in der Schweiz fördern.

 

 

Ausblick: Schweizer Recherchetag 2014 am MAZ

Zum zweiten Mal findet am 27. Januar 2014 der Schweizer Recherchetag am MAZ statt. Investigativ.ch gehört zu den Mitorganisatorinnen. «Sich nicht blenden lassen – auch nicht von Zahlen», lautet das Tagungsmotto. Key-note-Speaker ist Hans Leyendecker (Recherchedesk der Süddeutschen). 

Details zu Programm und Anmeldung gibt es hier.

 

 

nr-Werkstatt zum Lokaljournalismus erschienen

Unsere deutsche Schwesterorganisation Netzwerk Recherche (nr) legt den 23. Band ihrer Reihe nr-Werkstatt vor. Er dokumentiert die Ergebnisse der Fachkonferenz «Dicht dran – oder mittendrin?», die das nr in Kooperation mit der Deutschen Journalistenschule und der Süddeutschen am 09. und 10. November 2012 in München ausrichtete.

Wie üblich bist der Download kostenfrei, den gedruckten Band kann man gegen Einsendung eines mit 1,45 Euro frankierten und adressierten DIN C4- oder C5-Umschlags bei der nr-Geschäftsstelle bekommen.

Sie können die nr-Werkstatt hier als PDF laden (PDF-Datei, 193 S., 6,2 MB).

Für E-Book-Reader und Smartphones liegt die Werkstatt im epub-Format (1,7 MB) und im mobi-Format (2,28 MB) vor.

Ausführliches Inhaltsverzeichnis auf der nr-Website.