Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des investigativen Journalismus

 

 

Goldener Bremsklotz 2014 geht an das Bundesamt für Landwirtschaft

An der Mitgliederversammlung vom 16. Mai hat investigativ.ch das Geheimnis gelüftet und den Träger des Goldenen Bremsklotzes 2014 bekanntgegeben: das Bundesamt für Landwirtschaft erhält unseren Preis für besonderen Einfallsreichtum in Sachen Informationsverhinderung. BLW-Kommunikationschef Jürg Jordi holte die Trophäe – keinen goldenen, aber einen goldfarbenen Bremsklotz – persönlich ab und stellte sich der Diskussion. 

Das BLW hat 2013 für Aufsehen gesorgt, weil es dem Beobachter 275’000 Franken Gebühren in Rechnung stellen wollte, als dieser eine Liste von Empfängern von Milchsubventionen verlangte und weil es eine hartnäckige Journalistin für weitere Anfragen an den BLW-Rechtsdienst verwies. 

Die Laudatio gibt es hier zum Nachlesen: http://www.investigativ.ch/aktuell/detail/goldener-bremsklotz-2014-an-das-bundesamt-fuer-landwirtschaft.html

 

 

Evaluation BGÖ

Das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip in der Verwaltung (BGÖ) hat in den ersten acht Jahren seit Inkrafttreten zunehmend Anwendung gefunden und ist heute für uns Journalistinnen und Journalisten in vielen Fällen ein unverzichtbares Arbeitsinstrument. Die Rechtspraxis durch den Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten und die Bundesgerichte weist eine hohe Qualität auf. Allerdings verstehen grosse Teile der Bundesverwaltung das Gesetz auch heute noch nicht als Auftrag, ihre Arbeit möglichst transparent zu gestalten, sondern sehen im BGÖ vor allem eine Belästigung und einen zusätzlichen Arbeitsaufwand. 

Nachdem der Bundesrat das Projekt Single Point of Orientation auf Eis gelegt hat, das eine zentrale Datenbank für alle amtlichen Dokumente geschaffen und somit Akteneinsichtsgesuche entscheidend erleichtert hätte, gibt die Bundesverwaltung nun eine externe Evaluation des Gesetzes in Auftrag. Die Federführung liegt beim Bundesamt für Justiz (BJ), durchgeführt wird die Studie vom Büro Vatter.

In der Medienmitteilung vom BJ vom 14. April 2014 heisst es: «Die Konferenz der Generalsekretäre der Bundesverwaltung hat nun festgestellt, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Gesuche um Zugang zu amtlichen Dokumenten gestützt auf das BGÖ beachtlich zugenommen hat. Bestimmte Bundesämter sind deshalb mit Umsetzungsproblemen konfrontiert.» Das lässt befürchten, dass die Bundesverwaltung das BGÖ bereits wieder schwächen will. Diese Befürchtung teilt auch Bertil Cottier, Professor an der Universität der italienischen Schweiz, in einem Blogbeitrag auf Öffentlichkeitsgesetz.ch

 

 

Jahrestagung des Netzwerks Recherche

Die diesjährige Jahrestagung des Netzwerks Recherche findet am 4. und 5. Juli in Hamburg statt. Ihr Motto lautet lautet «You'll Never Walk Alone». Die Tagung bietet wie immer zahlreiche spannende Vorträge und Workshops und Gelegenheiten zum Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. 

Anmeldung und Programm: http://netzwerkrecherche.org/wordpress/nr14/

Auch dieses Jahr werden ein paar Journalist/innen aus der Schweiz nach Hamburg reisen. Wer sich ihnen anschliessen will, melde sich vorher bei kontakt@investigativ.ch

 

 

Vermischtes

Die meisten der folgenden Nachrichten sind übernommen vom Newsletter des Netzwerks Recherche, http://www.netzwerkrecherche.de/files/nnr_112_140429.txt.

 

ScienceDirect mit kostenlosem Zugang für Journalisten

Der Wissenschaftsverlag Elsevier bietet Wissenschafts- und Medizinjournalisten kostenlosen Zugang zu seiner Volltextdatenbank Science-Direct. Die Datenbank enthält laut Elsevier ein Viertel der weltweit in Peer-Review erscheinenden wissenschaftlichen Publikationen, sie umfasse über 2500 Journale und fast 20.000 Bücher, darunter etwa die wöchentlich erscheinende medizinische Fachzeitschrift The Lancet.

Das Free-Access-Angebot ist für Journalisten zwar kostenlos, aber nicht «frei» im Sinne von Open Access. So dürfen selbst Wissenschaftler ihre Veröffentlichungen aus öffentlich finanzierter Forschung nicht in Open-Access-Archiven wie ArXiv oder PubMed Central einstellen, wenn diese in Elsevier-Medien erschienen sind.

Elsevier-Datenbank Science-Direct: http://www.sciencedirect.com
Free Access for Journalists: http://www.elsevier.com/connect/free-access-to-sciencedirect-for-journalists
Open-Access-Kritik an Elsevier: http://de.wikipedia.org/wiki/Elsevier#Kritik_an_Elsevier

 

YanoukovychLeaks ausgezeichnet

Deutsche Welle zeichnet die Website YanukovychLeaks.org in der Kategorie »Reporter ohne Grenzen« (und in Zusammenarbeit mit Reporters sans frontières) mit dem Best-of-Online-Activism-Preis aus. Nach Janukowitschs Flucht retteten Journalist/innen und Aktivist/innen Dokumente aus der Villa des gestürzten ukrainischen Präsidenten und machten sie über Internet zugänglich. Die Preisübergabe findet statt am Deutsche Welle Global Media Forum (30. Juni bis 2. Juli in Bonn). Quelle der Meldung: https://thebobs.com/english/category/2014/?only_winners=true&category=193

 

Europarat veröffenlicht Grundrechteführer für das Internet

«Diese Anleitung ist eine Handreichung für Sie, die Internet-Nutzer, um sich über Ihre Menschenrechte online zu informieren, über mögliche Einschränkungen und Gegenmassnahmen gegen solche Beschränkungen.» So der Guide to human rights for Internet users. Den hat das Ministerkommitee des Europarates am 16. April veröffentlicht.

Die einzelnen Punkte oder besser Forderungen des Kataloges sind erfrischend klar formuliert, z.B.: «public authorities and private companies have an obligation to respect specific rules and procedures when they process your personal data.» Die gesammelten Punkte basieren zumeist auf Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Sie werden im Begündungstext genannt.

Das Dokument liegt derzeit nur Englisch und Französisch, weitere Sprachversionen sollen folgen.

Die Inhalte des Grundrechteführers:
  - Access and non-discrimination
  - Freedom of expression and information
  - Assembly, association and participation
  - Privacy and data protection
  - Education and literacy
  - Children and young people
  - Effective remedies

Der Grundrechteführer: https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=2184807

Das ausführliche Begrundungsdokument: https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?Ref=CM%282014%2931&Language=lanEnglish&Ver=addfinal

 

message in neuem Layout

Die April-Ausgabe der message ist mit einem frischen Layout erschienen.

Schwerpunkte der Ausgabe 2/2014:

- Titelthema PR & Journalismus: «Die Weisswäscher - Wie PR den Journalismus in die Mangel nimmt»

- Ukraine-Konflikt: Die Berichterstattung über Russland, die Ukraine und den Westen ist ideologisch aufgeladen. Hintergründe liefern Hubert Seipel, Gemma Pörzgen und Moritz Gathmann.

- Nachrichtenagenturen: Wer Fotografen wegen einer Retusche feuert, aber mit beschnittenen Bildern Pulitzerpreise gewinnt, handelt inkonsequent. Über analoge Gefahren der digitalen Fotografie.

- Verlage: Die Funke Mediengruppe will durch den Ankauf der Springer-Blätter ein Medienhaus mit internationalem Renommee werden. Mit Erfolg?

 

Lesenswert

Glenn Greenwald, der Guardian-Journalist, der die Snowden-Dokumente publiziert hat, hat sein Buch veröffentlicht. Ist das der Zukunft des Journalismus, fragt New York Times-Kolumnist Bill Keller – woraus ein mehrteiliger Briefwechsel zwischen Keller und Greenwald entstand: http://www.nytimes.com/2013/10/28/opinion/a-conversation-in-lieu-of-a-column.html?pagewanted=all&_r=0

 

Und a propos Greenwald und NSA:

The NSA Archive – Datenbank mit NSA-Dokumenten online

Die American Civil Liberties Union (ACLU) hat eine Datenbank der bisher veröffentlichten NSA-Dokumente zum Überwachungsskandal ins Netz gestellt: «The NSA Archive». Sie enthält im Format PDF alles, was seit Juni 2013 kursierte, als der Guardian Dokumenten von Edward Snowden zu den umfassenden Schnüffelprogrammen publik machte. Die Datenbank kann nach Schlagworten oder mithilfe von Filtern durchsucht werden. https://www.aclu.org/nsa-documents-search