Newsletter Nr. 30 von investigativ.ch vom 17. Juni 2015

 

1. Rückblick: Mitgliederversammlung und Goldener Bremsklotz

Am 6. Mai fand in eher kleinem Kreis die ordentliche Mitgliederversammlung von investigativ.ch statt. Unter anderem wählte die Versammlung Serena Tinari zum neuen Vorstandsmitglied (s. unten). Das Protokoll der Versammlung befindet sich hier (nur für Mitglieder zugänglich): http://www.investigativ.ch/verein/vereinsunterlagen.html.

Im Rahmenprogramm verlieh investigativ.ch zum zweiten Mal den Goldenen Bremsklotz. Die investigativ.ch-Mitglieder hatten aus einem Dreiervorschlag den Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits zum Träger des Schmähpreises erkoren, in Anerkennung seiner fragwürdigen Rolle in der Affäre um Nacktselfies des Badener Stadtammanns Geri Müller. Wigdorovits stellte sich der Diskussion, holte den Preis persönlich ab – und revanchierte sich mit dem «Goldenen Medien-Ei» an den Verein investigativ.ch und seine Mitglieder. Details inkl. Laudatio und Replik: http://www.investigativ.ch/aktuell/detail/wigdorovits-revanchiert-sich-mit-dem-goldenen-medien-ei.html 

Gastredner Alex Baur («Die Weltwoche») referierte über «Datenschutz, dein freundlicher Feind»: Noch nie hätten Journalisten so weit reichende Rechte gehabt wie heute – aber noch nie habe der Staat sie effizienter an der Ausübung dieser Rechte gehindert. Staat und Medien, so Baurs Fazit, seien unversöhnliche Antagonisten und müssten es bleiben.

 

2. Erneuerung im Vorstand: Serena Tinari für Mona Fahmy

Die freie Journalistin und Buchautorin Mona Fahmy war im Jahr 2010 eines der Gründungsmitglieder von investigativ.ch; von ihr stammte die Idee für den Vereinsnamen. Per Mitgliederversammlung 2015 ist sie aus dem Vereinsvorstand ausgetreten.

An ihrer Stelle wählte die Mitgliederversammlung neu Serena Tinari in den Vorstand. Serena ist Italienerin, arbeitete in der Schweiz zuerst für RSI und ist nun für die «Rundschau» von SRF tätig. Dank ihrer Mehrsprachigkeit wird sie uns helfen, die Kontakte in die anderen Landesgegenden zu verstärken. 

Herzlich willkommen, Serena; danke, Mona!

 

3. Veranstaltungen

3.1 Workshop: Im Gespräch Fakten erfragen: Ein Staatsanwalt berichtet

Am 24. Juni veranstaltet investigativ.ch erstmals einen Workshop in St. Gallen. Zu Gast ist Christoph Ill, leitender Staatsanwalt in St. Gallen und Staatsanwälte-Ausbildner. Ill erläutert uns, wie er als Staatsanwalt vorgeht, um von einem Informanten möglichst viel zu erfahren. Die Art, wie er ein Gespräch führt, hat viel mit dem Informationsgespräch einer Journalisten zu tun. Der Workshop findet statt am Mittwoch, 24. Juni von 18.30 bis 20 Uhr auf der «Tagblatt»-Redaktion; Details und Anmeldung: http://www.investigativ.ch/agenda/detail/leute-zum-reden-bringen-so-fragen-staatsanwaelte.html

  

3.2 Jahreskonferenz Netzwerk Recherche

Das jährliche Treffen unseres deutschen Schwestervereins in Hamburg findet heuer am 3./4. Juli unter dem Motto «Schreiben Zeichnen Senden – jetzt erst recht» statt. Details und Anmeldung: https://netzwerkrecherche.org/termine/konferenzen/jahreskonferenzen/nr15/

 

3.3 Workshop: Manipulationen auf Internetforen

Auf Onlineforen wird manipuliert, was das Zeug hält – das wissen wir eigentlich. Aber kaum jemand weiss es so genau wie Yves Ballinari, Redaktor des «Zürcher Oberländers»: Yves hat dazu seine Masterarbeit an der Uni Leipzig verfasst. Anhand von Pegida, «Varoufake» und anderen Beispielen berichtet er von seinen Erkenntnissen: Mittwoch, 19. August, Zürich. Details und Anmeldung: http://www.investigativ.ch/agenda/detail/manipulationen-auf-internetforen.html

 

3.4 Global Investigative Journalism Conference 2015

Alle zwei Jahre treffen sich die investigativen Journalist/innen zur globalen Konferenz – diesmal vom 8. bis 11. Oktober im norwegischen Lillehammer. Details und Anmeldung: http://gijc2015.org. Damit auch Kolleginnen und Kollegen aus ärmeren Ländern teilnehmen können, sucht das Global Investigative Journalism Network noch Sponsoren: http://gijn.org/2015/06/09/sponsor-a-muckraker-help-us-send-journalists-to-lillehammer/

 

Weitere Veranstaltungen zum Thema journalistische Recherche von uns und von weiteren Anbietern wie immer unter http://www.investigativ.ch/agenda.html

 

4. Auf Reisen: Zu Gast bei KollegInnen

Ob auf der internationalen Konferenz oder auf Recherche: Wer als Journalist/in unterwegs ist und eine Bleibe sucht – oder wer gerne Journalist/innen aus dem Ausland bei sich aufnehmen möchte –, kann sich auf der Plattform hostwriter.org umschauen. Hostwriter vermittelt zwischen Gastgebern und Gästen. So spart man nicht nur Geld, sondern lernt vor allem Kollegen und Kolleginnen kennen. Die Plattform hilft aber auch dabei, weltweit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen, die zu einem bestimmten Thema arbeiten.

 

5. Weiterbildung: Ein Bisschen Mathe

Auch wenn viele es nicht lieben: Ganz ohne mathematische Kenntnisse ist es schwer, journalistisch zu arbeiten – beziehungsweise unmöglich, sobald Statistiken ins Spiel kommen. Einen eigentlichen Mathekurs für Journalisten hat im Juni das Knight Center for Journalism in the Americas durchgeführt. Der Massive Open Online Course kann auch nachträglich besucht werden: http://journalismcourses.org/MJME2015.html

 

6. Vermischtes

Neues Handbuch zum Faktencheck

Wie überprüfe ich, was im Internet stimmt und was nicht? Zwei Handbücher des European Journalism Center sind online gratis verfügbar: das Verification Handboook und das Verification Handboook for Investigative Reporting. http://www.investigativ.ch/aktuell/detail/investigating-with-databases-verifying-data-quality.html

Mehr Handbücher zur journalistischen Recherche gibt es hier: http://gijn.org/resources/investigative-journalism-manuals/

 

Mehr Licht in die TTIP-Verhandlungen

Die EU und die USA verhandeln über ein Transatlantisches Freihandelsabkommen (TTIP) – mit möglichen Auswirkungen auf die Schweiz. Die Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Etwas Licht ins Dunkel bringt die Rechercheinitiative correct!v mit seinem umfangreichen TTIP-Recherchedossier. Die Recherche läuft weiter: https://correctiv.org/recherchen/ttip/editorial/

 

Chadidscha Ismajilowa

Im Dezember haben wir in unserem Newsletter erstmals über die aserbaidschanische Journalistin Chadidscha Ismajilowa berichtet, die nach hartnäckigen Recherchen über die aserbaidschanische Herrscherfamilie Alijew verhaftet wurde. Während der Journalist und Menschenrechtsaktivist Emin Huseynov, der in die Schweizer Botschaft in Baku geflüchtet war, zu Beginn der Europaspiele ausreisen konnte, sitzt Chadidscha auch nach einem halben Jahr noch in Haft (siehe auch http://www.azadliq.org/contentlive/liveblog/26731726.html).