Die Kunst des Recherchierens

Tipps und Ratschläge für Neulinge und Fortgeschrittene

Kurzkritik von Rainer Stadler in der NZZ vom 8. Januar 2013

Der Recherchierjournalismus ist im Aufschwung. Oder zumindest sind die Diskussionen über seine Bedeutung häufiger geworden. Die Vorkämpfer beschwören dabei gerne das aufklärerische Ideal des Aufdeckens von Missständen. Im alltäglichen Wettbewerb geht es aber ebenso sehr um einen profanen Zweck: Der Recherchierjournalismus ermöglicht es den Medien, sich durch eigene Geschichten von der Konkurrenz abzuheben. Entsprechend marktschreierisch überhöhen die Akteure zuweilen die Eigenleistungen – selbst wenn nur bescheidene Resultate zustande kamen.

Ohne Brimborium beleuchtet ein neues Buch aus dem Saldo-Verlag das Handwerk des Recherchierens. Im Stil eines Ratgebers bietet es einen raschen Überblick über diese journalistische Disziplin. Es vermittelt sowohl Basiswissen für Anfänger («Richtig telefonieren») wie auch weiterreichende Informationen für Fortgeschrittene. Die methodischen, psychologischen, ethischen und rechtlichen Aspekte kommen zur Sprache, genannt werden aber auch zahlreiche Stellen und Quellen, wo sich Informationen beschaffen lassen.

Ferner schreiben Schweizer Journalisten über ihre Fälle, die besonderes Aufsehen erregten (etwa: Akte Roland Nef, Fall Ramos, Fall Ernst Roduner). Martin Stoll erläutert, inwieweit Journalisten auf der Basis des Öffentlichkeitsgesetzes sich Zugang zu amtlichen Dokumenten verschaffen können. Otto Hostettler beleuchtet das Trendthema Datenjournalismus - also die Technik, durch Erschliessung grosser Datensätze Erkenntnisse zu gewinnen oder auf neue Themen zu stossen. Markus Häfliger thematisiert das Recherchieren auf der politischen Bühne.